Porsche Carrera RS 2.7
Typ: 911 Carrera RS M471 | Erstzulassung: 20-12-1972 | Fahrgestellnummer: 9113600246

Carrera RS 2,7 Leichtbau M 471

Dieses einmalige Fahrzeug wurde in dieser Sportversion M 471 in einer Stückzahl von 200 plus zusätzlicher 17 FIA-Homologationsfahrzeuge produziert.

Listenpreis inklusive Ausstattungspaket M 471 1973: 34.700 D-Mark

Dieses Fahrzeug wurde durch Fachfirmen in Deutschland neu aufgebaut und befindet sich nach Aussage dieser in einem makellosen originalen Zustand. Sämtliche Details wurden überarbeitet und bei Bedarf originalgetreu neu hergestellt. Dieses Stück zeitgenössischer Sportwagengeschichte in der seltenen Farbe Hellgelb in Zusammenhang mit der seltenen Ausstattungsvariante M471 lässt jedes Porschefahrerherz höher schlagen. Die öffters produzierte Touring Variante M472 steht bei Sammlern nicht so stark im Fokus und erzielt auch bei weitem nicht so hohe Erlöse.

Mein Tip:

975KG bei 210PS = von (0 - 100 km/h) in 5,8 sec und 245 km/h Topspeed.

Gut für jede Oltimerrennveranstaltung!

Zu diesem Zweck wurde das Fahrzeug 2013 angeschafft und mit dem passenden Equipment ausgestattet. Leider fehlen mir viele Angaben zu der Vorgeschichte dieses Fahrzeugs. An der Historie bin ich sehr interressiert und für jede Hilfe dankbar.

Vielen Dank für das Interesse und viele Spaß beim lesen und Bilder schauen :-)

Geschichte 911 2.7 RS M471

 

Im Oktober 1972 wurde auf dem Mondial de l’Automobile in Paris eine besondere Sportversion des 911 vorgestellt. Der Porsche Carrera RS 2.7, wie frühere Rennmodelle benannt nach der Carrera Panamericana, war als Kleinserie von ursprünglich 500 Fahrzeugen geplant, um die Zulassung als Rennwagen zu erlangen. Der auf einen Hubraum von 2,7 Liter vergrößerte Boxermotor leistet 154 kW (210 PS) bei 6300/min.

Zur Gewichtsverringerung hat der Carrera RS u.a. eine vordere Haube aus Dünnblech und einen Motordeckel aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Durch den Verzicht auf Teppichboden und Dämmmaterial ist der auch sonst spartanisch ausgestattete Wagen – auch Rücksitze, Beifahrer-Sonnenblende, Türarmlehnen, Ablagekästen und die Zeituhr fehlen – mit 975 kg sehr leicht. Um potentielle Käufer nicht zu verschrecken, bot Porsche als Extra die Ausstattung des 911 S an.

Nach dem unerwarteten Verkaufserfolg wurde die erste Auflage um mehr als 1000 Fahrzeuge erweitert, sodass 1590 Wagen (1308 RS-Touring, 217 RS-Sport, 55 RSR 2.8 Gruppe 4 und 10 Prototypen) das Werk verließen. Die Wagen wurden sehr erfolgreich im Rennsport eingesetzt und sind heute noch bei historischen Rennveranstaltungen beliebt. Die charakteristische aerodynamische Ausgestaltung der Motorraumabdeckung brachte dem Carrera RS 2.7 den Spitznamen „Entenbürzel“ ein.

(Quelle Wikipedia)

Technische Daten

Fahrzeugtyp Porsche Carrera RS
Modell 471
Leergewicht 975kg
Baujahr 1973
Motor RS MFI
Hubraum 2,7 Liter
Leistung 210 PS
Getriebe 5-Gang
Farbe Gelb
Interieur Schwarz

Leichtgewicht

Karosserie: 2-türige, 2-sitzige, selbsttragende, gewichtsreduzierte Coupé-Karosserie aus Stahlblech mit Dünnblechteilen und Kotflügelverbreiterungen hinten; feuerverzinkte Bodengruppe; an die Karosserie anliegende Kunststoff-Stoßstangen, Frontspoiler aus Kunststoff, Heckdeckel aus Kunststoff mit Heckspoiler (Entenbürzel); Heckmittelteil aus Aluminium, leichte Dünnglas-Seitenscheiben, Leichtbau-Zierrahmen um die hinteren Glaverbel-Seitenfenster

Die traurige Geschichte

Bei diesem Porsche RS 2,7 Leichtbau mit der Fahrzeugidentifikationsnummer 9113600246 handelt es sich um eine Fälschung! Nach gutachterlichen Erkenntnissen ist dieser Porsche RS 2,7 Leichtbau aus einem zeitgenössischen, vergleichsweise billigen 911 T in betrügerischer Absicht aufgebaut worden. 

Der Aufbau des Fahrzeuges erfolgte im Jahr 2013 durch zwei auf historische Porsche spezialisierte deutsche Fachbetriebe aus Möhnensee und Geseke. Eigentümer des Fahrzeuges war der im Kanton Thurgau , Schweiz, lebende Architekt H.O., der die Fahrzeugrestauration und den Weiterverkauf über einen Strohmann beauftragt hat. Motor und Getriebe wurden durch einen Fachbetrieb in Hepstedt, Deutschland, überarbeitet. 

Das originale Fahrzeug mit der FIN 9113600246 wurde im Dezember 1972 in Nordrhein, Düsseldorf, ausgeliefert, danach verliert sich seine Spur. Ermittlungen der bis dato beteiligten Behörden und Sachverständigen haben keine Erkenntnisse zum Verbleib des Fahrzeugs mit dieser FIN ergeben. Diesen Umstand haben sich die an der Fälschung Beteiligten mutmaßlich zunutze gemacht. Vor der Erstellung des „alten“ Fahrzeugbriefs im Jahre 2004 und nach der erneuten An-/Abmeldung des Fahrzeugs am 18./19.01.2006 waren bis zur Wiederzulassung im Januar 2014 jeweils mindestens 7 Jahre vergangen. Nach diesem Zeitraum werden bei deutschen Zulassungsbehörden alle Fahrzeugdaten gelöscht.

Nachdem das Fahrzeug als originaler Porsche RS 2,7 Leichtbau durch den Eigentümer, den Architekten H.O. über einen Strohmann im Jahr 2013 für Euro 459.000.- verkauft wurde ist der Betrug aufgeflogen. Dem Erwerber, einem Kunden der Architekturgesellschaft von H.O., hatte der Architekt vorgetäuscht die Originalität für diesen abgeklärt zu haben. Nachdem das Architekturprojekt, das H.O. für seinen Kunden geplant hatte scheiterte, lies der Kunde aufgrund eines aufgekommen Misstrauens gegenüber H.O. den Porsche RS 2,7 Leichtbau begutachten. Zwei Privatgutachten des renommierten Sachverständigen Klaus Kukuk entlarvten das Fahrzeug als Fälschung. Danach sind an dem Fahrzeug die FIN (Fahrzeugidentifikationsnummer), Produktions-, Motor- und Getriebenummer manipuliert und in wesentlichen Baugruppen keine Originalteile verwendet worden. Auch ist die Sicherheit im Renneinsatz nach Einschätzung des Privatgutachters nicht gegeben. 

Der Käufer erstattete auf Basis der Gutachten gegen die Beteiligten Strafanzeige wegen schweren Betruges und forderte Schadensersatz in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht Arnsberg, Deutschland. 

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Arnsberg haben dazu geführt, dass gegen den Architekten H.O. und dem von diesem für den Verkauf eingesetzten Strohmann Anklage wegen Betruges in einem besonders schweren Fall durch die Staatsanwaltschaft in Arnsberg erhoben wurde (Az. 20 Ls-372 Js 466/14-16/16). Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklagschrift von einer gesicherten Verurteilung der Betrüger anhand der Indizien, die bei Hausdurchsuchungen bei dem Architekten H.O. im Kanton Thurgau, Schweiz sowie der an dem Aufbau des Fahrzeuges beteiligten Fachbetriebe aus Möhnensee, Geseke und Hepstedt sichergestellt wurden, aus.  

Der im Zivilverfahren bestellte Gerichtsgutachter hat ebenfalls die Fälschung der FIN, Produktions-, Motor und Getriebenummer bestätigt sowie zusätzlich festgestellt, dass ein Fachkundiger die Fälschungen erkennen muss. Dies ist für das Strafverfahren relevant, da die Beteiligten als Fachpersonen die Fälschungen hätten erkennen müssen, selbst wenn diese nicht durch diese vorgenommen worden wären. Das Strafverfahren gegen den Architekten H.O. und dessen Strohmann ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Im Sinne einer Bereinigung der Oldtimerszene von mutmaßlichen Fälschern ist zu hoffen, dass es zu einer Verurteilung der mutmaßlichen Betrüger kommt. H.O. und sein Strohmann bestreiten die Vorwürfe. 

In dem Zivilverfahren auf Schadensersatz vor dem Landgericht Arnsberg (Az. I-1 O 259/14), wurde im Mai 2017 ein Vergleich geschlossen, in dem der Beklagte Architekt H.O. und sein Strohmann als Gesamtschuldner an den Kläger gegen Rücknahme des Fahrzeuges Euro 750.000.- erstatten mussten. Die Beklagten bezahlten durch den Vergleich an den Käufer somit fast Euro 300.000.- mehr, als dieser drei Jahre zuvor an diese bezahlt hatte. Die Gutachten weisen den Wert des Fahrzeuges mit maximal Euro 120.000.- bis Euro 150.000.- aus. 

Das Fahrzeug ist im Rahmen des Vergleichs wieder an den Architekten H.O. und seinen Strohmann Zug um Zug gegen Zahlung des Vergleichsbetrags zurück übereignet worden. Die Beklagten sind im Zivilverfahren zudem verpflichtet worden bei einem erneuten Weiterverkauf des Fahrzeuges sowohl die zwei Partei- als auch die Gerichtsgutachten einem Käufer vor einem Erwerb des Fahrzeuges auszuhändigen.

Sofern das Fahrzeug mit der FIN 9113600246 nochmals als originaler Porsche RS 2,7 Leichtbau durch den Architekten H.O. oder einen zwischengeschalteten Weiterverkäufer angeboten wird sollte dies umgehend an die Staatsanwaltschaft Arnsberg unter Hinweis auf das Aktenzeichnen Az. 20 Ls-372 Js 466/14-16/16 oder an die jeweils örtlich zuständige Kriminalpolizei gemeldet werden.


PRESSEARTIKEL:

Gefälschte Porsche und das Geschäft mit Oldtimer Sportwagen(Spiegel.de)

Knallgelber Albtraum(Tagblatt.ch)

Aus der Traum vom teuren Porsche (thurgauerzeitung.ch)